DCB-Newsletter Nr. 5/26: WUSSTEN SIE SCHON… Dass CGM-Daten mehr als nur den Blutzuckerspiegel offenbaren könnten?
DCB-Newsletter Nr. 5/26: WUSSTEN SIE SCHON… Dass CGM-Daten mehr als nur den Blutzuckerspiegel offenbaren könnten?
Dear DCB Community,
Die kontinuierliche Glukoseüberwachung (CGM) hat die Art und Weise verändert, wie Menschen mit Diabetes ihren Alltag gestalten. Glukosewerte, Trends und Warnmeldungen liefern wertvolle Informationen, die Menschen mit Diabetes und medizinischem Fachpersonal dabei helfen, täglich fundierte Entscheidungen zu treffen.
Könnten uns dieselben Daten jedoch weitaus mehr über die Gesundheit einer Person verraten, als uns derzeit bewusst ist?
Eine neue Studie, die in npj Digital Medicine Dies legt nahe, dass ein Blick über einzelne Blutzuckerwerte hinaus Muster aufdecken könnte, die mit diabetesbedingten Gesundheitsrisiken in Zusammenhang stehen. Die Ergebnisse deuten auf eine interessante Möglichkeit hin: Die CGM-Technologie könnte uns eines Tages dabei helfen, Blutzuckerwerte zu verstehen, individuelle Risikoprofile zu ermitteln und eine stärker personalisierte Diabetesversorgung zu unterstützen.
Was haben die Forscher herausgefunden?
Die Forscher analysierten CGM-Daten von 90.757 Teilnehmern der iCanNet-Kohorte, darunter Personen mit Normoglykämie, Prädiabetes, Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes. Anstatt sich ausschließlich auf einzelne Glukosewerte zu konzentrieren, untersuchten sie 48 verschiedene aus den CGM-Daten abgeleitete Kennzahlen, darunter die Glukosevariabilität und zeitliche Verläufe. Ihre Analyse ergab unterschiedliche Glukosemuster in den verschiedenen Gruppen. Durch die Kombination mehrerer Kennzahlen konnten die Forscher diese Gruppen zudem besser voneinander unterscheiden.
Besonders interessant waren die Ergebnisse bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Die Forscher identifizierten vier unterschiedliche glykämische Phänotypen – verschiedene Muster der Glukosewerte und deren Schwankungen –, die mit unterschiedlichen Risiken für diabetesbedingte Komplikationen verbunden sind.
Beispiel:
- Anhaltend hohe Blutzuckerwerte waren mit einem um 59 % erhöhten relativen Risiko für akute Komplikationen verbunden.
- Eine hohe Blutzuckerschwankung war mit einem um 75 % höheren relativen Risiko für akute Komplikationen und einem um 41 % höheren relativen Risiko für chronische Komplikationen verbunden.
Die Forscher entwickelten zudem einen „Digital Glycemic Risk Score“ (DGRS), bei dem mehrere CGM-Kennzahlen kombiniert werden, um Personen mit potenziell erhöhtem Risiko zu identifizieren.
Bei den Teilnehmern mit Typ-2-Diabetes, die bereits eine „Time in Range“ von mindestens 70 % erreicht hatten, stufte das Modell 25 % in eine Hochrisikokategorie für akute Komplikationen und 22,3 % in eine Hochrisikokategorie für chronische Komplikationen um. Es handelte sich hierbei um vom Modell generierte Einstufungen und nicht um bestätigte Vorhersagen über das Auftreten von Komplikationen bei diesen Personen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kombination verschiedener Blutzuckerverläufe Aufschluss über Gesundheitsrisiken geben kann, die durch die üblicherweise verwendeten CGM-Kennzahlen allein nicht vollständig erfasst werden.
Von CGM-Daten zu neuen Erkenntnissen. Im Rahmen der Studie wurden 48 aus CGM-Daten abgeleitete Messwerte von 90.757 Teilnehmer und identifizierten unterschiedliche Glukosemuster über das gesamte Diabetes-Spektrum hinweg. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wurden vier glykämische Phänotypen mit
Was könnte dies für die Diabetesversorgung bedeuten?
Heute helfen CGM-Systeme den Menschen in erster Linie dabei, die Entwicklung ihres Blutzuckerspiegels nachzuvollziehen und entsprechend zu reagieren. Doch die enorme Datenmenge, die diese Geräte generieren, könnte zusätzliche Informationen enthalten, die wir erst jetzt zu ergründen beginnen.
Durch die Analyse der Glukoseverläufe im Zeitverlauf könnten Forscher möglicherweise digitale Biomarker entwickeln – messbare Indikatoren, die aus digitalen Gesundheitsdaten abgeleitet werden – die dazu beitragen könnten, individuelle Stoffwechselprofile zu charakterisieren und potenzielle Gesundheitsrisiken zu erkennen.
Dies könnte medizinisches Fachpersonal in Zukunft dabei unterstützen, Personen zu erkennen, die von einer engmaschigeren Überwachung oder individuelleren Behandlungsansätzen profitieren könnten.
Das Ziel sollte nicht darin bestehen, mehr Daten zu generieren, sondern vorhandene Daten in aussagekräftige Informationen umzuwandeln, die die Diabetesbehandlung erleichtern und fundiertere Entscheidungen ermöglichen.
Die Studie stellt jedoch einen wichtigen Schritt in der Forschung dar und ist kein Beweis dafür, dass diese Ansätze bereits für den klinischen Alltag einsatzbereit sind.
Die Ergebnisse müssen noch in anderen Populationen validiert und prospektiv überprüft werden. Im Rahmen weiterer Forschungsarbeiten muss zudem geklärt werden, ob die Nutzung dieser Risikoprofile als Grundlage für klinische Entscheidungen tatsächlich zu besseren Gesundheitsergebnissen führt.
Ein Blick in die Zukunft: Die Zukunft der CGM-Technologie
Seit Jahren konzentrieren sich die Fortschritte in der CGM-Technologie auf die Verbesserung der Sensorgenauigkeit, der Tragedauer, des Tragekomforts und der Konnektivität. Diese Entwicklungen sind nach wie vor von entscheidender Bedeutung.
Diese Studie zeigt jedoch einen weiteren vielversprechenden Ansatz auf: Der Nutzen der CGM-Technologie könnte zunehmend davon abhängen, welche Erkenntnisse wir aus den von ihr generierten Daten gewinnen können.
Mit den Fortschritten in der Datenanalyse und bei den Algorithmen könnten Glukosesensoren möglicherweise Teil eines umfassenderen Ansatzes werden, um die Stoffwechselgesundheit besser zu verstehen und eine individuellere Versorgung zu ermöglichen.
Dies eröffnet zudem neue Möglichkeiten für Forscher, medizinisches Fachpersonal und Technologieentwickler. Die Herausforderung wird darin bestehen, komplexe Daten in zuverlässige, klinisch aussagekräftige Erkenntnisse umzusetzen, ohne die Diabetesversorgung unnötig zu verkomplizieren.
Inwiefern ist dies für DCB von Bedeutung?
Im Diabeteszentrum Bern konzentrieren wir uns darauf, die Diabetes-Technologie durch Forschung, klinische Entwicklung, Datenwissenschaft und Innovation voranzubringen. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Verständnis dafür, wie Technologie den Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes besser gerecht werden kann.
Forschungsergebnisse wie diese verdeutlichen, warum Innovationen in der Diabetes-Technologie sowohl auf die Entwicklung besserer Geräte als auch auf die bessere Nutzung der Informationen abzielen, die diese Geräte bereits liefern.
Die Kombination von Fortschritten in der Sensortechnologie mit intelligenter Datenanalyse könnte neue Möglichkeiten für eine personalisierte Diabetesversorgung eröffnen. Damit diese Ansätze jedoch einen spürbaren Unterschied bewirken können, müssen sie wissenschaftlich validiert, klinisch nutzbar und auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten sein, die sie anwenden werden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und bleiben Sie dran für weitere Einblicke aus unserer Reihe „WUSSTEN SIE SCHON…!“
Eigenforschung
Lu, J., Ding, Y., Zhao, B. et al. (2026). Mehrdimensionale Messgrößen der kontinuierlichen Glukoseüberwachung ermöglichen eine digitale Risikostratifizierung über das gesamte Diabetes-Spektrum hinweg. npj Digital Medicine. Veröffentlicht am 13. Oktober 2026.
https://doi.org/10.1038/s41746-026-03368-w
Dieser Artikel ist eine Bearbeitung eines Originalbeitrags aus dem Newsletter von Derek Brandt, dem Geschäftsführer des Diabeteszentrums Bern.
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